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  Landshuter Zeitung von Montag, den 23. August 2004

Motorradfahrer stirbt an der Unfallstelle

Am Samstag um 22.10 Uhr ereignete sich auf der Bundesstraße 15 auf Höhe Münchsdorf - Gemeindebereich Vilsheim - ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem ein 18-jähriger aus Tiefenbach stammender Motorradfahrer getötet wurde. Der 18-jährige Gymnasiast war mit seinem Kraftrad der Marke Yamaha, das erst am Tag zuvor zugelassen worden war, auf der B 15 von Landshut kommend in Richtung Rosenheim unterwegs. Auf Höhe der Ausfahrt Münchsdorf wollte ein 61-jähriger aus Landshut stammender Fahrer eines Toyota auf die Bundesstraße in Fahrtrichtung Landshut einbiegen. Dabei missachtete er die Vorfahrt des Kraftradfahrers, und so kam es auf der Fahrbahnseite des Motorradfahrers zu einem heftigen Zusammenstoß.Nach Aussage eines hinter dem 18-jährigen fahrenden Zeugen hielt dieser sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Der Gymnasiast starb vermutlich bereits beim Aufprall an der Unfallstelle. Der Autofahrer wurde mit leichten Verletzungen in ein Landshuter Krankenhaus eingeliefert. An den beiden Fahrzeugen entstand ein Gesamtschaden von ca. 11.000 €.


Landshuter Zeitung 03.09.2004
Pfarrer Martin Bickl bei der Weihehandlung am Grab
 
Hundert bunte Luftballons flogen für Hannes in den Himmel
Tiefenbach.      Leuchtendgelbe Sonnenblumen liegen in einem grossen Kreis angeordnet um einen frischen Grabhügel am Tiefenbacher Friedhof. Als Freundschaftszeichen wurden sie niedergelegt für einen jungen Menschen, dessen Lebensuhr viel zu früh abgelaufen ist. Hannes Sternberg verunglückte mit seinem Motorrad tödlich - 18jährig, auf der Bundesstrasse 15 bei Münchsdorf.
Es waren hauptsächlich junge Menschen, die Abschied nahmen von ihrem Freund und Schulkameraden, aber da ist auch eine Mutter, eine Schwester, eine Freundin, die am Anfang eines schweren Trauerweges stehen. Kraft für die Trauer sprach mit sehr treffenden Worten Pfarrer Martin Bickl - in einer Predigt, die sein ganzes Mitgefühl ausdrückte und bei den Zuhörern auf grosse Resonanz gestoßen ist. Er hielt den Edelstein in den Händen, den er bei der Taufe von Hannes Neffen bekam. Der Stein war dunkelviolett mit Rundungen und Mulden. Pfarrer Bickl verglich die Einmaligkeit des Steines mit dem Leben von Hannes Sternberg. Er erinnerte an seine kurze Lebensgeschichte, seine Kindheit und Jugend in Bamberg, seinen Umzug nach Tiefenbach, seine anfänglichen Schwierigkeiten, hier Anschluss zu finden, was ihm schließlich doch gelungen ist. Weiter erzählte der Priester von "Coredan", der nach einer russischen Legende als vierter der Heiligen Drei Könige dem Stern folgen wollte, um das göttliche Kind zu finden. Drei Edelsteine, die er als Geschenk mitnahm gibt er unterwegs her für leidende, verletzte und gequälte Mitmenschen. Zum Schluss opfert er sein Leben für einen Sklaven und muss viele Jahre auf ein Galeerenschiff. Endlich wieder frei, kommt er in eine Stadt, in der auf einem Hügel drei Kreuze stehen. Über dem Kreuz Jesu in der Mitte blitzt ein Stern auf. Der vierte König hat sein Heil gefunden. "Heute steht das Kreuz für ein Warum, auf das es keine Antwort gibt", sagte Bickl, aber Kreuz, Legende und Edelstein passten nach seinen Worten gut "für viele Situationen in Hannes Leben, wo er anderen etwas geben und schenken konnte." Wie selbstverständlich fand Pfarrer Bickl darüber hinaus Worte des Verzeihens über den Unfallverursacher, "der wohl im entscheidenden Moment falsch reagierte und falsch handelte". Hannes Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Fröhlichkeit und bejahende Lebenseinstellung formulierten auch die Klassenkameraden des Hans-Leinberger-Gymnasiums. In ihren vorgetragenen Fürbitten.baten sie Gott um einen Laptop für den Computerfreak. "Und solltest du keinen haben, so wird Hannes dich schnell überzeugen, dass du für deine Aufgaben dringend einen brauchst." Unendlich viele Tränen begleiteten diese Erinnerungen, die Melanie Schiller mit einem Blick in die Zukunft abschloss: "Wir werden wieder lachen und fröhlich sein mit den Gedanken an dich." Schulleiter Peter Renoth sprach der Familie - auch stellvertretend für die zahlreich anwesende Lehrerschaft - seine Anteilnahme aus. Bewegende Worte sprach ebenso Hannes Schwester Dagmar in ihrem Nachruf. Sie kannte wohl sehr gut seine Sehnsucht nach Freiheit und nach Sonne. Die über hundert Schülerinnen und Schüler des HLG und Carossa- Gymnasiums legten viele, viele Sonnenblumen am Grab nieder. Die Schwester wusste auch um die Leidenschaft des Motorradfahrens und des Fliegens. So gehörte es zu ihrer Organisation, dass während der Feier ein Sportflugzeug den Tiefenbacher Kirchenberg umkreiste. Ganz kurz blitzte ein winziger Stern auf - ein Sonnenstrahl hat wohl den blechernen Rumpf des Flugkörpers gestreift. Nicht zuletzt unterstrich die musikalische Umrahmung der Gruppe "Atemlos" aus Vilsheim und der Instrumentalisten des Hans-Leinberger-Gymnasiums die gut zweieinhalb Stunden des Innehaltens, die seltsamerweise mit einem Gefühl der Leichtigkeit, ja beinahe etwas Fröhlichem endeten. Hundert Luftballons in allen Farben glitten beendend aus den Händen in den blauen Himmel, um immer kleiner werdend am Horizont zu verschwinden. Vielleicht signalisierten auch sie den Weg des Nicht-stehen-bleibens in der Hilflosigkeit. Und leuchtendgelbe Sonnenblumen liegen um einen frischen Grabhügel ….

© Elfriede Haslauer

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