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Predigt zum Gottesdienst zur Beerdigung
von Hannes Sternberg am 25.08.2004 in Tiefenbach:
Bibelstellen: Ps 22, 2-6 MK 15, 33-37
Wir haben am 1. Mai dieses Jahres hier in der Tiefenbacher Kirche die Erstkommunion der Nichte und anschließend die Taufe des jüngsten Neffen von Hannes, dem "Frank", gefeiert. Bei Franks Taufe hat jeder von uns einen "Edelstein" bekommen.
Nach unserem Gespräch am letzten Sonntag, liebe Angehörigen, habe ich den Edelstein herausgesucht, den ich dabei bekommen habe, und ihn mir angeschaut. Ich habe mir zunächst Gedanken darüber gemacht, warum der Stein violett und dunkel ist. Dann habe ich mir den Stein genauer betrachtet mit seinen Rundungen und kleinen Mulden und mir gedacht, dass dieser Stein so einmalig ist wie auch Hannes einmalig in seinem Leben war. Und ich hätte mir für den Hannes, den Sie mir so als "Sonnenkind" beschrieben haben, einen Stein in einer anderen Farbe gewünscht. Andererseits schaut auch dieser violette Stein im Licht wunderbar aus.
Ich dachte an Hannes, seine Lebensgeschichte, seine Kindheit und Jugend zuerst in Bamberg, sein Umzug hierher nach Tiefenbach, seine anfänglichen Schwierigkeiten, hier Anschluß zu finden, was ihm aber dann doch gelungen ist.
Und doch habe ich dann verstanden, dass ich diesen Edelstein nicht verstanden habe. Frau Dagmar Sternberg, Sie haben bei Franks Taufe uns - und auch Ihrem Bruder - eine Geschichte vorgelesen, eine russische Legende, die ich nun hier noch einmal erzählen will: Es war die "Legende vom vierten König" - mit Namen Coredan -, der mit den Heiligen Drei Königen aufbrechen wollte, um dem Stern zu folgen, um das göttliche Kind zu finden. Nachdem die anderen Könige Gold, Weihrauch und Myrre als Geschenke dabei hatten, nahm Coredan drei Edelsteine als Geschenke mit. Weil sein Pferd lahmte, konnte Coredan - so die Legende - nicht mit den anderen mitziehen. Er machte sich allein auf den Weg und verlor dabei den Stern oft genug aus den Augen.
Unterwegs begegnete er einem weinenden und schwer verletzen Kind am Straßenrand und er giebt seinen ersten Edelstein her, um für die Zukunft des Kindes zu sorgen.
Er begegnet einer Familie, die ihren Vater verloren hat und gibt ihnen seinen zweiten Edelstein.
Er kommt in einem Land, in dem Krieg herrscht, in ein Dorf, in dem die Bauern zusammengetrieben wurden, um sie zu töten. Mit seinem dritten und letzten Edelstein kaufte er die Männer frei.
Summe: Die Edelsteine stehen für das Wertvolle, das der vierte König hergibt.
Bei Hannes paßt der Edelstein - so denke ich - für viele Situationen seines Lebens, wo er anderen etwas geben und schenken konnte:
- Er hat geholfen, wo er gebraucht wurde, wie auch immer er konnte
- Er war seiner Familie - in den letzten Monaten besonders auch für seine Schwester bei der Arbeit - im Alltag, in Verantwortung auch gegenüber seiner Nichte und seinen Neffen, eine große Unterstützung...
- Mit seinen Computerkentnissen konnte er in vielen Situationen anderen weiterhelfen
Die Geschichte von Coredan, dem vierten König geht weiter:
Coredan gibt alles her, sein Pferd...
...und als er schließlich einem Vater begegnet, der als Sklave auf ein Galeerenschiff muß, gibt er sich selbst zum Tausch her, viele Jahre bleibt er auf der Galeere. Als er dann endlich frei kommt, zieht er los und kommt - auf Anweisung einer inneren Stimme - in eine große Stadt, in der auf einem Hügel drei Kreuze stehen. Über dem Kreuz Jesu in der Mitte leuchtet kurz - so die Legende - der Stern auf. Coreden erkennt, daß er am Kreuz jetzt nach all der Zeit den König der Welt, sein Heil, gefunden hat.
Das Kreuz Jesu steht stellvertretend für das Leid und oft für so viel Sinnlosigkeit dieser Welt:
- Es steht auch für das, was am vergangenen Samstag gegen 22:30 Uhr auf der B 15 bei Münchsdorf passiert ist...
- Es steht für das unaussprechbare Leiden und die Trauer von Hannes's Familie und seinen Freunde, besonders auch seine Freundin...
- Es steht aber auch für das Leiden des Fahrers des beteiligten KFZ, der gestern bei mir angerufen hat. Er kämpft mit dieser einen falschen Entscheidung an diesem Abend, als er die Situation falsch eindeschätzt hat. Er hat noch überlegt - und dann das Falsche getan, als er losgefahren ist. Und er wird mit dieser Entscheidung leben und immer wieder kämpfen müssen.
Zu diesem Kreuz Jesu gehört auch die große Frage "Warum?"...
Jesus formuliert sie für uns, als er - am Kreuz hängend - PS 22, 2 zitiert:
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mk 15, 34b)
Mit Jesus dürfen wir in dieser Situation auch unser "Warum?" schreien und rufen ...
Und wie Jesus bekommen wir in diesem Moment keine Antwort.
Summe: Coredan, der vierte König, sieht über dem Kreuz Jesu kurz den Stern aufleuchten und er hat sein Heil gefunden.
Möge Hannes sein Heil, seinen Himmel, unseren Gott, jetzt schauen, auch wenn wir dieses Heil jetzt nicht sehen können.
Tiefenbach, 25.08.2004
© Martin G. Bickl, Pfarrer
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